Was hilft gegen gefährliches Gedränge?

Ein Beitrag von Silke Uebelstädt, erschienen unter http://www1.wdr.de/wissen/mensch/draengeln-fussgaengerexperiment-100.html

Am Eingang von Festivals, Konzerten oder Sportveranstaltungen kann es schnell eng werden. Lebensgefährlich wird es, wenn ein Gedränge entsteht – also die Menschenmenge von hinten schiebt, ohne zu merken, was vorne passiert. So wie bei der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010. Dort kamen 21 Menschen ums Leben, hunderte wurden verletzt.

Welche Wirkung hat ein Korridor aus Absperrgittern?

Verändert die Gestaltung des Eingangs das Verhalten der Menschenmenge? Das haben Forscher vom Jülich Supercomputing Centre untersucht. „Wir haben 270 Probanden aufgefordert, sich vorzustellen, dass sie vor dem Eingang eines Rockkonzerts stehen und eine der letzten Karten ergattern wollen„, erklärt Physiker Armin Seyfried den Versuchsaufbau.

Zwei Einlassportale von jeweils einem halben Meter Durchmesser wirkten wie Nadelöhre. Zunächst strömten die Testpersonen ungehindert auf den Eingang zu. Schon nach wenigen Sekunden bildete sich dort eine hohe Personendichte: elf Menschen pro Quadratmeter.

Danach bauten die Forscher mit Absperrgittern einen Korridor auf, der die Testpersonen seitlich an die beiden Einlassportale heranführte. Im Korridor war die Personendichte mit knapp sechs Menschen pro Quadratmeter deutlich niedriger als im ersten Durchgang.

Es zeigte sich, dass viele Menschen den Einlass durch den Korridor als gerechter einschätzen.

Sie glauben, wer sich dort zuerst anstellt, kommt auch zuerst rein„, erklärt Anna Sieben von der Ruhr-Universität Bochum. Wer überzeugt ist, dass es am Einlass gerecht zugeht, wartet also geduldiger anstatt nach vorne zu drängen.

Soziale Regeln im Kopf

Es ist derselbe Effekt wie an der Supermarktkasse oder am Flughafenschalter. Auch hier stellen sich die Menschen automatisch in die Warteschlange. Denn dieses Verhalten ist eine sozial erwünschte Norm, die die meisten Menschen verinnerlicht haben.