Irxleben traut der Polizei nicht mehr

Ein Beitrag von Michael Bock, erschienen unter dem Onlineauftritt der Magdeburger Tageszeitung https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/wachschutz-irxleben-traut-polizei-nicht-mehr

 

In Irxleben (Landkreis Börde) wollen Einwohner einen privaten Sicherheitsdienst anheuern. Grund: Sie fühlen sich nicht mehr sicher.

Irxleben | In dem rund 2300 Einwohner zählenden Bördedorf vor den Toren Magdeburgs soll ein Verein „Sicheres Irxleben e.V.“ gegründet werden. Der Initiator, Paul Hünecke, sagte der Volksstimme am Donnerstag, man fühle sich von der Polizei nicht ausreichend geschützt. Ziel ist es, einen Wachschutz zu engagieren. Der soll unbewaffnet auf verschiedenen Routen im Wohngebiet pa­trouillieren – zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Im Notfall sollen die Wachschutzleute die Polizei rufen.

Das Projekt, das vorige Woche vor etwa 250 Einwohnern vorgestellt wurde, soll am 1. Januar 2018 starten. Aber: Um es realisieren zu können, müssen laut Hünecke mindestens 348 Irxlebener dem Verein beitreten. Der monatliche Beitrag soll zwischen 28 Euro und 40 Euro liegen. Geplant ist, dass der private Sicherheitsdienst das ganze Jahr unterwegs ist – bei Wind und Wetter, 21 Stunden am Tag.

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Hohe Börde, Steffi Trittel (parteilos), sagte, sie habe Verständnis für das Engagement. Allerdings würde sie sich auch mehr Polizei im Ort wünschen.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) warf der Bürgermeisterin gestern vor, sie habe nicht genug für die Sicherheit der Einwohner getan. Für die Sicherheit sei auch die Kommune zuständig. Stahlknecht: „Ich erwarte, dass das Ordnungsamt nicht nur guckt, ob irgendwo Hundekot liegt, sondern mit einem Regionalbereichsbeamten durch Wohngebiete patrouilliert. Frische Luft tut gut.“

Steffi Trittel legt es nicht auf Streit mit dem Innenminister an. Die Bürgermeisterin sagte der Volksstimme, sie müsse sich auch mal Kritik gefallen lassen. „Ich werde klären, was wir besser machen können. Es ist immer Luft nach oben.“ Am 6. Oktober gebe es ein Gespräch in der Polizeistation Haldensleben, an dem sie, Hünecke und Polizei-Vertreter teilnähmen.

Steifen sollen erhöht werden

Stahlknecht kündigte an, die Zahl der Polizeistreifen in Irxleben zu erhöhen. Bereits jetzt gebe es dort eine Videokamera. „100-prozentige Sicherheit gibt es aber nicht“, sagte er. „Man kann nicht in jedes Wohngebiet eine Polizeistation bauen.“ Überhaupt: „Irxleben ist keine Kriminalitätshochburg, das ist nicht die Bronx.“ In diesem Jahr habe es bislang zehn vollendete oder versuchte Einbrüche gegeben, im Vorjahr sieben, 2015 vier.

Laut Kriminalstatistik gab es 2016 in ganz Sachsen-Anhalt 3061 Wohnungseinbrüche – 266 mehr als im Jahr zuvor. Im Bundesvergleich hatte Sachsen-Anhalt 2016 unter den Flächenländern die höchste Kriminalitätsrate.

Ende 2015 hatte Barleben, ebenfalls im Bördekreis gelegen, nach vermehrten Einbrüchen eine „Nachbarschaftshilfe“ gebildet, die sogar nachts Streife fuhr.